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parkitloveit podcast – 001 Warum bist du in ein Auto mit Dachzelt gezogen?

Eure Fragen | 001 | Warum bist du in ein Auto mit Dachzelt gezogen?

Warum bist du in ein Auto mit Dachzelt gezogen?

Eines schönen Abends stand ich nach viel zu wenig Schlaf um 19 Uhr abends auf, um schon wieder in die Nachtschicht zu fahren. Ich duschte, zog mich an und murmelte ein Guten Morgen vor mich hin, als ich unmotiviert die Wohnküche betrat. Dann erst fiel mir auf, dass mein Mann nicht da war. Olaf und ich hatten nur eine kleine Wohnung. Ich ging also ins Schlafzimmer, um nach ihm zu schauen. Dort war er auch nicht. Ich setzte mir Kaffeewasser auf und schaute, ob er mir irgendwohin einen Zettel gelegt hatte. Kein Zettel. Ich schaute in WhatsApp. Keine Nachricht von ihm. Also schrieb ich ihm. Ich goß meinen Kaffee auf, rührte um, goß ein Drittel Milch dazu. Kurz darauf kam die Nachricht von ihm. Mir wurde schwarz vor Augen von dem Schock. Ich setzte mich auf den Boden und wartete, bis das Rauschen im Kopf aufhörte und ich wieder klar sehen konnte. Ich stand vorsichtig auf, um meinen Kaffee zu nehmen, wartete, ob der Schwindel nicht wieder kam, und ging mit dem Kaffee zum Sofa. Nachdem ich mich gesetzt hatte, las ich die Nachricht erneut:

“Ich bin im Krankenhaus. Ich hatte einen Nervenzusammenbruch. Ich bin schon seit Wochen psychisch am Ende. Ich ertrage es nicht, dich so zu sehen, wie du dich überarbeitest. Ich schaffe es aber auch nicht, dich zu unterstützen. Ich liebe dich so sehr, dass ich versucht habe, der Mann zu sein, den du in mir gesehen hast. Aber ich schaffe es nicht. Ich wäre gerne leistungsfähiger. Aber ich kann leider dieses Leben als dein Ehemann und Hausmann nicht führen. Ich bin nur eine Belastung für dich. Und ich kann dir nicht zuschauen, wie du dich kaputt machst. Ich wünschte, du könntest aufhören, so viel zu arbeiten. Die Verzweiflung darüber, wie groß der Unterschied ist zwischen dem Mann, der ich sein will, und dem Mann, der ich sein kann, bringt mich fast um. Ich muss erstmal wieder zu mir selbst finden. Ich weiß nicht, ob es eine Zukunft für uns gibt.”

Olaf

Der Schwindel war mittlerweile verschwunden. Mein Kreislauf kam wieder langsam in Schwung. Ich guckte in die Ferne aus dem Fenster in die Dunkelheit und dachte gefühlte zehn Minuten an gar nichts. Mein Kopf war vollkommen leer. Dann wurde ich traurig. Ich schluckte die Traurigkeit sofort herunter, stand auf und ging im Zimmer hin und her. Ich wollte nicht darüber nachdenken. Ich wollte diese Gefühle nicht. Ich hörte einen tiefen Schrei in mir, und redete mir selbst gut zu: Zähl bis zehn! Zähl bis zehn! Ich zählte. Ich atmete tief ein und aus. Ich ging bei jeder Zahl einen Schritt weiter im Kreis. Bei zehn angekommen, war der Schrei dumpfer geworden. Ich wurde mir bewusst, wo ich war und was ich tun musste. Ich musste mir die Schuhe und Jacke anziehen und losfahren. Ich schaute auf’s Handy. 20 Uhr. Ich seufzte. Ich packte mein Zeug und verließ das Haus.

Ich startete den Motor meines kleinen Skoda Fabia und wählte als Erstes ein anderes Radioprogramm. Nach fröhlicher Musik war mir nicht. Ich wählte Bayern 4 Klassik. Ich atmete erleichtert auf. Keine Opern. Opern kann ich mir einfach nur live anhören, die kann ich per Radio nicht leiden. Es lief eine wunderschönes Stück von Bach, das Konzert Nr. 7 in g-moll. Mit der Dramatik der Musik fuhr ich hinaus aus dem idyllischen Kurort, in dem wir lebten. Wir! Ich seufzte und konzentrierte mich auf den Verkehr. Mein Schatz war im Krankenhaus! Die Musik nahm mich mit auf eine Achterbahnfahrt der Luxusklasse. Die Tränen liefen schon. Er konnte es nicht mit anschauen, wie ich mich kaputt arbeitete! Der Pianist versuchte mich abzulenken und zu beruhigen. Mein Herz raste mit den Kapriolen der Musik mit. Mein Schatz konnte es nicht ertragen, dass er nichts für mich tun konnte! Ich fuhr kurz rechts heran, um mich erst einmal kräftig zu schnäuzen. Die Violinen streichelten mir aufmunternd über den Kopf. Das Klavier sah mich fragend an. Ich atmete tief durch und fuhr weiter. An der Tankstelle angekommen, tankte ich wie immer für zwanzig Euro, kaufte mir einen Red Bull, eine Cola light und einen kalten Cappuccino. Ich startete erneut. Die Musik war an einer Stelle angekommen, an der die Melodie etwas von Deep House hatte. Mit wunderbarem Bass. Ich überlegte noch, ob mich die Musik emotional nicht zu sehr überforderte, um so weitere Hundert Kilometer zur Arbeit zu fahren. Doch ich entschied mich, dass diese Musik genau das war, was ich jetzt in dieser Situation brauchte. Offensichtlich war ich nun geistig und körperlich wach genug, um objektiv auf die Situation schauen zu können. 

Bach begleitete mich nun ruhig und getragen. Also ganz objektiv, meine liebe Mona, sagte ich innerlich zu mir. Was haben wir nun? Du bist überarbeitet, hast keine Zeit für deine Beziehung, dein Mann ist unglücklich, du bist unglücklich. Deine Kinder sind seit Jahren aus dem Haus, und mittlerweile 16 und 19 Jahre alt, die werden nie wieder klein sein und hilfesuchend auf deinen Schoß krabbeln. Sei mal ganz ehrlich zu dir: Glaubst du, du wirst mit diesem Leben jemals glücklich? Wann warst du zum letzten Mal längere Zeit glücklich? Einzelne glückliche Momente schossen mir durch den Kopf, während das Klavier und die Violinen Gas gaben. Bilder von meinem Papa und mir beim Wandern, als ich noch ein Kind war. Bilder von mir und meinen Kindern an Sommertagen am See. Erfolgserlebnisse in meiner Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin und im Studium. Mein erstes eigenes Auto. Fahrten durch Hamburg, wo ich als Kurier unterwegs war, neue Ecken der Stadt kennen lernte. Mein erster Urlaub auf Teneriffa. Palmen. Sonne. Strand. Meer. Die Wärme. Die Fahrten mit dem nach Weichspüler duftenden kleinen Leihauto. Der braungebrannte junge Mann, der mich am Strand ansprach, und geduldig wartete, bis ich aus dem Wörterbuch meine Antwort zusammengestellt hatte, und dann lachend die Hand nach mir ausstreckte, um mit mir spazieren zu gehen. Die Freiheit. Die Wärme. Die Freiheit. Die Wärme. Ich schwelgte in Träumen. Bach läutete sein Finale ein. Ich fuhr schwebend dahin, bis der Applaus einsetzte. Ich seufzte tief. Mir wurde langsam bewusst, wo ich war, und was ich eigentlich wollte. Plötzlich eine wunderschöne Flöte. Die Moldau von Smetana! Was für ein Stück! Und so wundervoll, obwohl Smetana da schon taub gewesen war! Was für ein Hoffnung gebendes, aufmunterndes Stück! Ich seufzte erleichtert und versuchte, in die Zukunft zu schauen. Wie konnte ich ein Leben führen, das mich wirklich glücklich machen würde? Wie konnte ich diese schönen Momente aus den Urlauben, Wanderungen, Tagen am See, mit anderen Menschen, das Sprachenlernen und das Studieren so in meinen Alltag integrieren, dass ich dauerhaft glücklich sein konnte? Ich versuchte, in meiner Vorstellung alle Elemente meiner vorherigen glücklichen Erinnerungen auf ein Bild zusammen zu bekommen. Nach und nach schaute ich mich auf dem Bild um. Dort waren Berge, Täler, Flüsse, Seen, das Meer, der Strand, die Sonne, Blumen und Pflanzen. Dort waren meine Kinder, mein Vater, ein sehr sympathischer, interessanter Mann, und mein Auto, und ich, die in mehreren Sprachen fröhlich kommunizierte und lernte. Wie sollte ich dieses Bild nun in die Wirklichkeit umsetzen? Smetana untermalte die Dramatik dieser Frage damit, dass die Moldau majestätisch in die Elbe mündete. Nach einer kurzen Verschnaufpause setzte Beethovens Mondscheinsonate ein. Seufzend suchte ich nach einer Lösung, um das schöne Bild, das ich im Kopf hatte, Wirklichkeit werden zu lassen. Während der restlichen Fahrt zur Arbeit dachte ich nur daran, wie ich durch die Welt reisen könnte, von einem wunderschönen Ort zum nächsten. Wie ich Menschen kennen lernen, ihre Sprache lernen, ihre Kultur erleben durfte. Wie ich neue Freunde finden, Freude und Nähe mit ihnen erfahren konnte. Wie ich atemberaubende Landschaften durchwandern, unglaubliche Pflanzen sehen und nie gekannte Speisen zum ersten Mal probieren durfte. Wie ich immer wieder meine geliebte Familie und meine Freunde in die Arme schließen konnte, um ihnen von meinen Reisen zu berichten und um mich zu versichern, dass es ihnen gut geht. Mutig nahm ich meine Familie und Freunde gedanklich einfach mit auf Reisen. Wir mussten zwar mit fünf Autos fahren, aber das war in meinem Tagtraum kein Problem.

Einen Monat später stand ich in Höhenkirchen bei München vor dem Autohaus, das auch Dachzelte verkaufte. Vor lauter Autos auf dem Gelände konnte ich gar nicht sehen, wo der Verkaufsraum für die Dachzelte sein sollte. Suchend umrundete ich das große Autohaus. In den vergangenen vier Wochen war viel passiert. Ich hatte jede Nacht während der Nachtschicht in jeder freien Minute das komplette Internet abgesucht, vor allem aber YouTube, und zwar nach Möglichkeiten, mir ein Leben wie in meinem Tagtraum leisten zu können. Von Lotto und Betrugsgeschäften, Drogengeschäften und dem Heiraten eines 100jährigen Millionärs mal abgesehen, gab es wohl keinen Weg, schnell mal zu einer Million zu kommen. Also musste ich in kleinerem Rahmen denken. Zum einen suchte und fand ich einen Bürojob auf Teneriffa. Zum anderen wollte ich auf keinen Fall auf Teneriffa in einem Zimmer oder einer Wohnung leben und die Hälfte meines Lohns für Miete ausgeben. Also suchte ich nach alternativen Lebensformen. Ich kam auf den Begriff Minimalismus. Ich fand Leute mit Tiny Häusern, in Höhlen, in Bauwägen, in Gartenhäusern im Kleingarten, in Wohnwägen, in Zelten am Strand, in selbst ausgebauten Vans, und Leute, die in ganz normalen Autos lebten. Und dann fand ich Thilo Vogel, und mit ihm die Dachzeltnomaden. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich ein Dachzelt sah. Ich war sofort total begeistert. Das Charisma des charmanten Fotografen tat sein Übriges dazu. Ich war hin und weg. Ich las so viel ich konnte über Dachlast, weil ich gar nicht kapierte, wie ich mit damals 87 Kilo auf mein Dach passen sollte, wenn das Dachzelt schon 60 Kilo wog und meine zulässige Dachlast auf 75 Kilo beschränkt war. Dann hatte ich mich nach einem Händler in der Nähe von München umgeschaut. Und nun stand ich bei ihm vor der Tür, um mir ein Dachzelt anzuschauen. Ich atmete tief durch und betrat den Laden. Da stand mein Dachzelt. Im Ausstellungsraum. Ich fragte eine Verkäuferin, ob sie mich beraten könnte. Und wir redeten miteinander über alle Eigenschaften des Dachzeltes. Dann unterschrieb ich den Kaufvertrag für das Dachzelt und zahlte ein Drittel an. Wir vereinbarten die Restzahlung für Anfang August bei der Abholung. Ich hatte gerade mein neues Schlafzimmer gekauft. Ich war plötzlich Dachzeltnomadin. Ein völlig neuer Lebensabschnitt hatte begonnen. 

In der nächsten Podcastfolge geht es weiter mit der Antwort auf eure Frage: Wie waren deine ersten drei Monate ohne Wohnung? Abonniere mich, um nicht zu verpassen, wie es weiter ging. Im Juni erscheint auch mein Buch parkitloveit – Vanlife Geschichten in 6 Sprachen.

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